Wissenschaft und Life Coaching

Unsere erste Beziehung – Prägung in der frühen Kindheit

Nach den ersten Lebensmonaten erfahre ein Neugeborenes immer deutlicher, dass es von Dingen und anderen Menschen unterschieden ist. Es entwickle ein erstes Bewusstsein von den eigenen Körpergrenzen und Selbstwahrnehmungen. „In den folgenden vier Lebensjahren lernt ein Kind (vorsprachlich und deshalb auch unbewusst) die Fragen zu beantworten: ‚Wer bin ich?‘ – ‚Was kann ich?‘ und somit sein Selbstbewusstsein auch inhaltlich zu füllen.“ Um das Es herum wird also eine Zone aufgebaut, die man als frühes Ich bezeichnen kann. Das frühe Ich, das sich wie eine Hülle um das Es legt, wird somit von den frühen Körperrepräsentanzen und den frühen Selbstrepräsentanzen gebildet. Die frühen Körperrepräsentanzen seien die kindlich grundgelegten Bewusstseins- und Gefühlsinhalte über Körperbereiche. Zu den frühen Selbstrepräsentanzen zählen die kindlich grundgelegten Bewusstseins- und Gefühlsinhalte bezüglich der eigenen Person. Sie bestimmten den Sozialcharakter und all unsere später erworbenen Selbstvorstellungen (wer wir sind, was wir fürchten und erhoffen, was wir uns zutrauen etc.) auf unterschiedliche Weise mit. (https://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud#cite_ref-52)

 

Alle unsere Beziehungen – sei es zu Familie, Freunden oder dem Partner – werden durch unsere frühkindlichen Beziehungserfahrungen geprägt. Vor allem die Entwicklung der Psychoanalyse durch Sigmund Freud und seine Nachfolger hatte massiven Einfluss auf unser heutiges Verständnis von Eltern-Kind-Beziehungen und den Prägungen, die wir dadurch erfahren.

 

Die Art und Weise wie unsere Eltern mit uns als Kindern und Kleinkindern umgegangen sind, entscheidet darüber wie liebenswert wir uns selbst fühlen, was wir uns zutrauen, vor welchen Erfahrungen wir Angst haben und vor allem was wir für „normal“ halten.

 

Dieser Artikel möchte darum kurz einige wichtige Einstellungen ansprechen, die wir in unserer Kindheit erwerben und die unser Verhalten uns selbst sowie anderen gegenüber nachhaltig beeinflussen.

 

Selbsterfahrung und Selbstvertrauen

Meist lernen wir aus den Armen unserer Mutter heraus das Laufen und das Entdecken der Welt. Ist sie immer da, wenn wir fallen, um uns aufzufangen? Wie weit können wir uns vorwagen, ohne dass uns etwas Schlimmes passiert? Und wenn doch mal etwas passiert, ist dann jemand für uns da oder sind wir ganz allein? Können wir uns an jemanden anlehnen, wenn wir selbst nicht wissen, was wir wollen – essen, trinken, schlafen usw. – oder sehen wir nur ebenso verzweifelten und ratlosen Gesichtern entgegen? Wenn man sich auf jemand anderen verlässt, dann ist man verlassen…

 

Selbstliebe

Nahmen sich unsere Eltern Zeit für uns und Zeit für sich selbst, wenn sie es brauchten? Das Vorbild, das sie uns waren, zeigte es uns, dass man sich kümmern muss, wenn etwas schief läuft oder ist die Knieverletzung „nicht so schlimm“ und die Tatsache, dass man in der Schule keine Freunde hat einfach eine Sache „die man nicht ändern kann“. Wie viel Mühe und Sorgfalt wird in das eigene Wohlergehen investiert – und womit? Belohnung durch Essen, Ausruhen, Einkaufen oder gemeinsames Spielen? Wie tut man sich etwas Gutes?

 

Konflikte

Wenn unsere Eltern in Konflikte gerieten, schrien sie sich gegenseitig an? Diskutierten sie miteinander, bis sie eine Lösung gefunden hatten? Gab es körperliche Gewalt und Handgreiflichkeiten? Oder mied man sich schlichtweg, wenn es schwierig wurde und redete nicht mehr miteinander? Haben wir gelernt das auszudrücken, was wir fühlen und in einem Streit wirklich wollen? Und gehen wir grundsätzlich davon aus, dass unser Gegenüber uns etwas Schlechtes will oder vielmehr, dass es immer eine positive Intention gibt? Was wir darüber denken, das entscheidet wie wir heute streiten.

 

Freunde

Hatten unsere Eltern enge Freunde? Welchen Stellenwert hatte Freundschaft gegenüber Familie? Wie pflegt man Freundschaften über Jahre und Jahrzehnte hinweg? Was macht gute Freunde eigentlich aus? Wo findet man sie? Und was verbindet einen?

 

Partnerschaft

Manchmal kommt es vor, dass wir uns mit einem Partner wiederfinden, der uns an unsere Mutter oder an unseren Vater erinnert. Das ist einerseits vielleicht unheimlich, andererseits jedoch so angenehm vertraut. Ich fühle mich gleich verstanden. Da ist jemand, der denkt wie ich. Und wer hat mir beigebracht so zu denken? Die Menschen, mit denen ich bis dahin am engsten verbunden war.

Und will ich meine Partnerschaft so wie die von meinen Eltern führen? Oder mich davon abgrenzen? Will ich es besser machen? Oder versuche ich genauso gut zu sein? Gut genug?

 

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir brauchen Beziehungen zu anderen Menschen wie die Luft zum Atmen. Einsamkeit quält uns besonders in unserer Jugend- und Teenager-Zeit, aber noch darüber hinaus. Menschen mit wenigen Beziehungen gelten als anfälliger für psychische Erkrankungen wie Depressionen und sogar für körperliche Leiden wie eine Immunschwäche.

 

Dabei ist uns oft nicht bewusst, was eigentlich die Geschichte unserer Beziehungen ist. Was unsere fundamentalen Einstellungen zu uns selbst und anderen Menschen geprägt hat. Dabei ist diese Prägung sicher nicht etwas, dem wir ein ganzes Leben lang folgen müssen. Die Macht dieser Prägung aber ist umso größer je weniger wir über sie wissen oder sie verstehen.

 

Je mehr wir auf der anderen Seite über uns selbst wissen, welche Einstellungen wir uns und der Welt gegenüber haben und aus welchen Erfahrungen diese entstanden sind, umso besser können wir bestimmen, ob diese Einstellungen uns heute noch genauso dienlich sind wie sie es damals waren.

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