Persönlichkeitsentwicklung in der Praxis

Tee und Kaffee

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Tee und Kaffee. Beides sind beliebte Heißgetränke. In Deutschland ist seit langem der Kaffee an der Beliebtheitsstelle Nr.1 während andere Länder, z.B. England oder große Teile Asiens, für ihren bevorzugten Teekonsum bekannt sind.

 

Koffein und Teein

Koffein und Teein sind an sich der gleiche Stoff. Sie haben beide einen stimulierenden Effekt. Nicht in allen Teesorten ist Teein allerdings enthalten. In Früchtetees und Kräutertees zum Beispiel nicht. Dagegen grüner Tee und vor allem schwarzer Tee sind bekannt für ihren Teeingehalt und damit auch für ihre „aufmunternde“ Wirkung.

Noch vor einigen Jahren habe ich praktisch keinen Tee getrunken. Denn ich war der Meinung er habe wenig Geschmack und noch dazu verband ich damit ein „Kindergartentrauma“, wo wir oft Früchtetee bekamen, den ich überhaupt nicht mochte.

 

Coffee & me

Trotzdem hielt ich Tee schon lange für das „gesündere“ Getränk. Denn mit Kaffee verband ich eine Stimulation – was einerseits angenehm war, andererseits war ich aber auch der Meinung, ich müsse doch meinen Energiehaushalt so regeln können, dass ich auf so einen „Energieboost“ nicht angewiesen bin. Andererseits hatte ich als Kind gehört Kaffee sei schädlich für das Wachstum und später dann Kaffee färbe die Zähne gelb. Daneben gab es aber auch positive Assoziationen wie die, dass meine Eltern und Großeltern immer viel Kaffee tranken und ich mich ihnen durch dieses Getränk bis heute nahe fühle. Dennoch habe ich erst im Laufe meiner Studienzeit das regelmäßige Kaffeetrinken begonnen, als ich anfing mich mit einer Kommilitonin regelmäßig auf Kaffee und Kuchen zu treffen und wir hier viel über das Studium und allgemeine Lebensthemen sprachen. Diese Erfahrung ging über in eine Gewohnheit des Kaffee-und-Kuchen-habens, die nun seit Jahren felsenfest in meinen Alltag integriert ist. Und vor allem während meines Auslandsjahres habe ich gemerkt: fliegt man mich heute an irgendeinen Platz auf der Welt und lässt mich dort zurück, so sucht mein Orientierungssinn sofort nach dem nächsten Café als „Zufluchtsort“. Ich saß in Cafés in Kyoto, Tokyo, Flughäfen, Bahnen, Museen, in Dubais Malls und deutschen Jugendherbergen. Kaffee ist fast überall erhältlich. Und fast überall ist er mir „Zuflucht“ und ein Stück „Zuhause“.

 

Tea & me

Andererseits habe ich gerade auch in diesem Auslandsjahr eine ganz neue Beziehung zum Tee aufgenommen. Auch hier kamen mehrere Erfahrungen zusammen. Einerseits wurde in der Personal-Development-Gesundheits-Minimalismus-Szene, in der ich mich auf Youtube bewegte, Tee stets als gesunde Alternative zum Kaffee gelobt. Das Trinken von Tee versprach mehr innere Ruhe (statt die von zu viel Koffeein ausgelöste Unruhe), war mit einer am Zen-Buddhismus orientierten Ästhetik verbunden und wurde hier geradezu zelebriert. Tee war nicht das Getränk für Schnelligkeit und Produktivität, nicht einmal für Motivation und Kraft, wie ich es mit Kaffee verband. Stattdessen stand Tee für Ruhe, Gelassenheit und innere Klarheit, aus der eine ganz neue Form der Produktivität, die mit weniger Anspannung auskam, hervorging. Und in jedem Moment, in dem ich nun Tee in meinen Alltag integrieren konnte (eine Zeit lang habe ich jeden Morgen Bio grünen Tee aus einer besonders verzierten Tasse getrunken), konnte ich an diesem Bild und den damit verbundenen Gefühlen teilhaben.

Das zweite Ereignis, das mich Tee in einem neuen Licht sehen ließ, war ein Ausflug, den ich mit einem Professor und einer Reihe japanischer Studenten nach Taiwan unternahm. Hier gab es eine studentische Konferenz zu Themen „Asiatischer Philosophie“, an der ich auch einen kurzen Input zur „Aneignung des europäischen Religionsbegriffs in Japan“ gab. Im Rahmen dieser Veranstaltung ludt uns ein Teilnehmer in ein Teehaus ein und zeigte uns Studenten wie man den dortigen Tee richtig aufgießen und trinken musste. Dazu wurden einige kleine Süßigkeiten gereicht, während man in einem Holzhaus auf dem Boden kniete, den Geruch von tropischen Pflanzen in der Nase. Es gab ein großes und ein kleines Teegefäß. Aus dem „Tea Ocean“ floss der Tee immer wieder in die winzigen Schälchen und jeder Aufguss des Tees hatte einen neuen Geschmack, eine neue Nuance. Für mich war dies die erste und schönste „Teezeremonie“, die ich bisher erlebt habe. Und ja, auch daran denke ich heute ein bisschen jedes Mal, wenn ich Tee trinke.

 

Es ist also ein Spiel von Assoziationen und Zuschreibungen, die mein Verhältnis zu beiden Getränken bestimmt. Dabei ringt das „Ideal des Tees“ mit meiner „Realität des Kaffees“.

Doch eigentlich ist das so nicht ganz richtig. Denn schon heute gehört auch der Tee durchaus – neben dem Kaffee – zur „Realität“ meines Alltags. Und es spielt sowohl Vergangenes als auch Zukünftiges eine Rolle. Die Frage lautet also vielleicht welche Emotionen ich durch welche Getränke in meinem Alltag verankern möchte.

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